Alpine A390 GT im Test: Präzisionswerkzeug für den Alltag

ELECTRIC WOW / 07.05.2026.

Alpine A390 GT im Test: Präzisionswerkzeug für den Alltag

Posted by: Johannes Richter

Die Kinder von der Schule abholen, den Wocheneinkauf machen und schnell eine Runde auf der Rennstrecke drehen – ein ganz normaler Tag für die Alpine A390.

SUV-Coupés sind voll im Trend. Aber ist die A390 eine Vertreterin dieser Gattung? Eher nein. Klar, man sitzt etwas höher als im Sportcoupé und der Platz unterm Auto reicht auch für Waldwege aus. Die Dachlinie fällt schön lang ab und die Heckklappe ist riesig und macht Platz für über 500 Liter Kofferraum, aber trotzdem fällt es schwer, sie in diese Schublade zu werfen. Denn wenn man neben ihr steht, merkt man erst, wie viel flacher (Gesamthöhe 153 Zentimeter) sie im Vergleich zu ihren Kollegen ist und wie sehr sie nach Rennstrecke ruft. Allein die Ausnehmungen in der Motorhaube, die gekonnt die Luft über das Fahrzeug ablenken und die wie zum Sprung vorbereitete geduckte Haltung geben schon den Takt vor. Die will nicht nur spielen. Das sehen auch alle anderen Verkehrsteilnehmer, die teilweise nach dem Umspringen der Ampel auf Grün noch länger stehen bleiben, um die Alpine genau zu beäugen.

>> Weiterlesen: Alpine A290 im Test – Wo warst du, als ich zwanzig war?

Für alles zu haben

Im Innenraum geht es gleich weiter mit den Renn­ambitionen. Das Cockpit ist klar fahrerzentriert, das Lenkrad hat die klassische Mittelmarkierung, die Sportsitze umklammern einen deutlich und es gibt allerlei Carbon-Applikationen. Dem entgegen stehen Isofix-Haltepunkte auf der Rückbank, ein sehr großes Staufach in der Mittelarmlehne, ein Getränkehalter (schönen Gruß an die A290) und die Massagefunktion. Mindestens vier erwachsene Personen haben so entspannt Platz in der A390, dass man damit auch lange Reisen gemeinsam antreten kann. Auf dem mittleren Platz sollte man aber besser nur kurze Strecken bestreiten. Am liebsten jedoch sitzt man ohnehin vorne links und orchestriert die 400 PS durch den Alltag. Gleich drei Motoren sorgen für Vortrieb und lassen die 100 schon nach 4,8 Sekunden aufblitzen. Wem das zu langsam ist, der wartet auf die GTS-Version, die soll dann unter 4 Sekunden bleiben.

>> Weiterlesen: Alpine A390 – Premiere in Wien samt Kurzvideo mit Ferdinand Habsburg

Wenig zu meckern

Ziemlich langweilig eigentlich, es gibt nicht wirklich Kritikpunkte und dabei gibt es doch immer etwas zu bemängeln. Okay, das Fahrwerk könnte einen Komfort-Modus haben, damit man bei Unebenheiten nicht so durchgeschüttelt wird. Sie könnte ein Head-up-Display haben, damit man immer die volle Aufmerksamkeit vor dem Auto auf der Straße hat. Das sind allerdings alles Punkte, die bei einem so konsequenten Auto schnell Gegenargumente finden. Nur der schicke beleuchtete „ALPINE“-Schriftzug am Armaturenbrett spiegelt sich in der Nacht im beifahrerseitigen Außenspiegel. Das kann man nicht wegdiskutieren, aber das Hirn blendet es nach einer Zeit aus – gefinkelt.

>> Weiterlesen: Noch mehr Sport – Hyundai Ioniq 6 N Launch Edition

Den Alltag im Griff

Mit einem WLTP-Verbrauch von knapp unter 19 kWh auf 100 Kilometer sind die Phasen zwischen den Ladestopps recht lang. Offiziell schafft man 551 Kilometer. Wer den Rennfahrer in sich beheimatet, sollte eher mit knapp 25 kWh rechnen. Wer „normal“ unterwegs ist, schafft aber die Vorgabe. Beim Laden geht es wiederum nicht ganz so flott. Wenn auch die 150 kW bei der GT-Version grundsätzlich okay sind, würde man sich schon etwas mehr wünschen. Der GTS kommt dann schon mit 190 kW. Das Devialet Soundsystem mit 13 Lautsprechern sorgt beim längeren Ladestopp (10–80 Prozent in ca. 37 Minuten) zumindest für Gänsehaut beim Warten. Am Wechselstrom-Lader kann sie mit 11 kW laden oder gegen 1.200 Euro Aufpreis auch gern mit 22. Das integrierte Google-System bietet Sprachsteuerung und intelligente Ladeplanung bei der Routenführung via Maps inklusive bevorzugter Ladestationen. Apple CarPlay und Android Auto gehören zur Serienaus­stattung, man kann aber auch viele autospezifische Apps direkt auf das Fahrzeugsystem laden. Die Rekuperation wird mit dem blauen Drehregler am Lenkrad verstellt, bei Bedarf bis hin zum One-Pedal-Drive. Der kleine rote Knopf sorgt für Spaß im Alltag, der gibt nämlich die maximale Leistung für die aktuelle Pedalstellung frei. Gewöhnungsbedürftig, aber richtig lässig. 

Datenkasten

Modell Alpine A390 GT
Leistung | Dauerleistung 400 PS (295 kW) | 183 kW
Drehmoment | Gewicht 661 Nm | 2.144 kg
0–100 km/h | Vmax 4,8 s | 200 km/h
Reichweite | Antrieb 551 km | Allrad
Ø-Verbrauch | Batterie 18,9 kWh/100 km | 89 kWh
Laden AC 11 kW, 9:10 h (0–100 %)
Laden DC 150 kW, 37 min (10–80 %)
Kofferraum | Zuladung 532–1.643 l | 481 kg
Basispreis | NoVA 67.500 € (56.250 exkl.) | 0 %
Das gefällt uns: die Präzision, die mit ihr möglich ist
Das vermissen wir: eine etwas tiefere Sitzposition
Die Alternativen: definitiv alternativlos